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3sat: "Geraubte Heimat - Exil in der Türkei und Deutschland" / Edzard Reuter und Can Dündar über ihre Erfahrungen

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Edzard Reuter und Can Dündar beim Dreh vor Brandenburger Tor / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6348 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/3sat/ZDF/Louise Oechler"

Samstag, 20. April 2019, 19.20 Uhr Erstausstrahlung Zwei prominente Persönlichkeiten, zwei Schicksale, zwei Generationen: Edzard Reuter, 91, Zeuge des Jahrhunderts, ehemaliger Daimler-Benz-Chef, und Can Dündar, 57, Journalist, bekannter Erdogan-Gegner

Mainz (ots) - Samstag, 20. April 2019, 19.20 Uhr

Erstausstrahlung

Zwei prominente Persönlichkeiten, zwei Schicksale, zwei Generationen: Edzard Reuter, 91, Zeuge des Jahrhunderts, ehemaliger Daimler-Benz-Chef, und Can Dündar, 57, Journalist, bekannter Erdogan-Gegner. Beide mussten ihr Heimatland auf der Flucht vor einem Despoten verlassen, beide verbindet die Erfahrung des Exils und die Liebe zur Türkei. In Edzard Reuters und Can Dündars Biografien kreuzen sich die Wege der langen deutsch-türkischen Geschichte auf exemplarische Weise. Einst nahm die Türkei Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland auf - heute gewährt Deutschland den Verfolgten des Erdogan-Regimes Zuflucht. Reuter und Dündar sprechen in der Dokumentation "Geraubte Heimat - Exil in der Türkei und Deutschland" von Jutta Louise Oechler über ihre Exilerfahrungen und darüber, wie es mit den deutsch-türkischen Beziehungen weitergehen soll. 3sat zeigt die Dokumentation am Samstag, 20. April 2019, um 19.20 Uhr in Erstausstrahlung.

Edzard Reuter ist der Sohn des Berliner Nachkriegsbürgermeisters Ernst Reuter und ehemaliger Daimler-Benz-Chef. Der Sozialdemokrat floh vor den Nationalsozialisten mit seiner Familie in die Türkei. Deutsche Akademiker waren Staatsgründer Atatürk hochwillkommen bei seinen Reformen, der Modernisierung und Verwestlichung des Landes. Edzard Reuter verbrachte seine Kindheit und Jugend in Ankara. Die Entwicklung in der Türkei beobachtet er mit größter Sorge: "Das tut mir weh. Da werden die Menschenrechte auf den Kehricht geworfen. Aber meine Eltern verdanken ihr Leben diesem Land, ich meine Jugend. Was derzeit in der Türkei geschieht, erinnert mich an die Anfänge der NS-Zeit."

Auch Journalist Can Dündar sieht diese Parallelen: "Der Putschversuch war der Reichstagsbrand der Türkei. Für Erdogan willkommener Anlass, seine Widersacher zu verhaften und zum alleinigen Machthaber zu werden." Wie Reuter wuchs Dündar in Ankara auf und promovierte an jener Fakultät, an der Edzard Reuters Vater Ernst einst lehrte. Der frühere Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" zog mit einem Enthüllungsartikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Islamisten den Zorn Erdogans auf sich. Nach Gefängnishaft, einem Attentat auf ihn und schließlich dem Putschversuch im Juli 2016 konnte Dündar nicht mehr in die Türkei zurückkehren und lebt seitdem in Berlin. Durch seinen Widerstand gegen Erdogans Autokratie wurde er zur Symbolfigur der unterdrückten "anderen" Türkei. Doch auch hier wird der Regimegegner bedroht, kann keinen Auftritt ohne Polizeischutz absolvieren. Erdogans langer Arm reicht bis nach Deutschland - für Dündar daher eine weit weniger sichere Zuflucht als damals die Türkei für Reuter.

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